Ratgeber
Unfall mit dem E-Scooter: Was du jetzt tun musst
Von Redaktion E-Scooter HeldAktualisiert am

Nach einem Unfall mit dem E-Scooter musst du anhalten, die Unfallstelle sichern, Verletzten helfen und deine Daten angeben. Wer einfach weiterfährt, begeht eine Straftat. Schäden, die du anderen zufügst, zahlt die Haftpflichtversicherung deines Rollers. Bei Leih-Scootern ist der Anbieter versichert.
Sofort nach dem Unfall: die Checkliste
- Anhalten und den Roller aus dem Verkehr bringen, wenn niemand verletzt ist und nur wenig beschädigt wurde.
- Unfallstelle sichern, damit niemand in die Unfallstelle hineinfährt.
- Um Verletzte kümmern: Erste Hilfe leisten und bei Verletzten den Rettungsdienst über die 112 rufen.
- Polizei rufen (110), wenn Menschen verletzt sind, die Schuldfrage strittig ist, jemand alkoholisiert wirkt oder die andere Seite ihre Daten nicht angeben will.
- Daten austauschen: Name, Anschrift und Versicherung aller Beteiligten notieren. Bei E-Scootern gehört die Nummer der Versicherungsplakette dazu.
- Zeugen ansprechen und ihre Kontaktdaten aufschreiben.
- Dokumentieren: Fotos von der Unfallstelle, den Fahrzeugen, den Schäden und der Plakette machen.
- Versicherung informieren und den Schaden zeitnah melden. Bei Leih-Scootern meldest du den Unfall zusätzlich beim Anbieter, meist direkt in der App.
Deine Pflichten nach § 34 StVO
Die Straßenverkehrs-Ordnung schreibt allen Unfallbeteiligten vor:
- unverzüglich zu halten,
- den Verkehr zu sichern und bei geringem Schaden beiseitezufahren,
- sich über die Unfallfolgen zu vergewissern,
- Verletzten zu helfen,
- anderen Beteiligten und Geschädigten zu sagen, dass du am Unfall beteiligt warst, und auf Verlangen Namen, Anschrift und Versicherungsdaten zu nennen,
- so lange zu bleiben, bis deine Beteiligung festgestellt werden konnte. Ist niemand da, zum Beispiel bei einem angefahrenen parkenden Auto, musst du angemessen lange warten und deine Daten hinterlassen. Danach musst du die Feststellungen unverzüglich nachträglich ermöglichen, etwa indem du dich bei der Polizei meldest.
Wichtig: Wer sich zu früh entfernt, macht sich wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort strafbar (§ 142 StGB). Es drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe. Ein Zettel am Scheibenwischer allein reicht nicht aus.
Wer zahlt was?
Schäden, die du anderen zufügst
Dafür kommt die Kfz-Haftpflichtversicherung deines E-Scooters auf. Sie ist Pflicht. Bei einem Leih-Scooter hat der Anbieter als Halter die Versicherung abgeschlossen.
Die Versicherung zahlt auch dann an den Geschädigten, wenn du gegen Regeln verstoßen hast. Warst du alkoholisiert oder ohne nötige Fahrerlaubnis unterwegs, darf sie aber bis zu 5.000 Euro von dir zurückfordern (§ 5 KfzPflVV). Mehr dazu im Ratgeber zur E-Scooter-Versicherung.
Schäden an deinem eigenen Roller
Die Haftpflicht zahlt nicht für deinen eigenen E-Scooter. Diebstahl oder Brand deckt eine Teilkasko, wenn du eine abgeschlossen hast. Beschädigst du einen Leih-Scooter, richtet sich die Haftung nach den Bedingungen des Anbieters. Lies sie vor der ersten Fahrt.
Deine eigenen Verletzungen
Bist du selbst schuld oder allein gestürzt, zahlt niemand automatisch für deine Verletzungen. Die Behandlung übernimmt deine Krankenkasse. Für dauerhafte Folgen kann eine private Unfallversicherung sinnvoll sein. Hat jemand anderes den Unfall verursacht, kannst du Schadensersatz und Schmerzensgeld von dessen Versicherung verlangen.
Besonderheit: Halterhaftung ohne Verschulden kommt
Beim Auto haftet der Halter nach § 7 StVG auch ohne eigenes Verschulden, einfach weil von seinem Fahrzeug eine Betriebsgefahr ausgeht. Für Fahrzeuge, die nicht schneller als 20 km/h fahren können, gilt das nach § 8 StVG bisher nicht. Das betrifft noch E-Scooter.
Die Folge: Wer von einem E-Scooter angefahren wird, muss bisher in der Regel nachweisen, dass den Fahrer ein Verschulden trifft. Das ändert sich: Das Gesetz zur Haftung bei Unfällen mit Elektrokleinstfahrzeugen hat am 25. September 2026 den Bundesrat passiert. Danach haftet der Halter eines E-Scooters, bei Leih-Rollern also der Anbieter, auch ohne Verschulden. Der Fahrer haftet, wenn er sich nicht entlasten kann (§ 18 StVG). In Kraft tritt das Gesetz am ersten Tag des Quartals nach seiner Verkündung. Bis dahin und für ältere Unfälle gilt die bisherige Regel. Details stehen in unserer Meldung zur neuen Halterhaftung für E-Scooter.
Wie häufig sind E-Scooter-Unfälle?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kamen 2025 in Deutschland 33 Menschen bei Unfällen mit dem E-Scooter ums Leben. 26 von ihnen starben innerhalb von Ortschaften.
So senkst du dein Unfallrisiko
- Nutze Radwege und Radfahrstreifen, fahre nicht auf dem Gehweg.
- Fahre nüchtern. Die Grenzwerte erklären die Ratgeber zu Alkohol und Cannabis.
- Fahre allein. Mitfahrer sind verboten, siehe Zu zweit auf dem E-Scooter.
- Trag einen Helm, auch wenn es keine Helmpflicht gibt.
- Fahre bei Nässe, auf Kopfsteinpflaster und an Bordsteinkanten langsam. Straßenbahnschienen überquerst du möglichst im rechten Winkel.
- Kündige Abbiegen rechtzeitig an, per Blinker oder per Handzeichen.
Hinweis: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung. Nach einem Unfall mit Verletzten oder hohen Schäden kann eine anwaltliche Beratung sinnvoll sein.